Stillprobleme: Die häufigsten Ursachen und was beim Stillen hilft

Stillprobleme sind gerade am Anfang ganz normal
Viele Mütter erleben in den ersten Tagen und Wochen kleinere oder größere Schwierigkeiten beim Stillen. Schmerzen beim Anlegen, wunde Brustwarzen, Milchstau oder Unsicherheiten im Umgang mit dem Baby gehören zu den häufigsten Herausforderungen. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Stillen langfristig nicht funktionieren wird. Mit etwas Zeit, Geduld und der richtigen Unterstützung finden viele Mütter und Babys ihren eigenen Stillrhythmus.
Im Wochenbett, wenn dein Körper sich von der Geburt erholt und die Hormone Achterbahn fahren, prasselt oft besonders viel auf dich ein. Schlafmangel, neue Verantwortung und körperliche Veränderungen machen die Situation zusätzlich herausfordernd.
Nicht immer liegen Stillprobleme jedoch bei der Mama. Auch wenn dein Baby beim Stillen schreit, die Brust verweigert oder immer wieder unruhig trinkt, kann das verschiedene Ursachen haben. Mehr dazu erfährst du in unserem Ratgeber zum Thema, warum dein Baby beim Stillen schreit.

Milcheinschuss: So stellt sich dein Körper auf das Stillen ein
Gerade in den ersten Tagen nach der Geburt stellt sich das Stillen erst ein. Während dein Baby zunehmend häufiger trinken möchte, beginnt dein Körper gleichzeitig, die Milchproduktion hochzufahren. Zwischen dem zweiten und vierten Tag setzt bei den meisten Frauen der sogenannte Milcheinschuss ein: Die Brüste werden stärker durchblutet und bilden nun größere Mengen Milch. Dadurch können die Brüste zunächst spannen und sich voll anfühlen. Gleichzeitig müssen sich Mutter und Baby erst aufeinander einstellen. Unsicherheiten sind in dieser Phase deshalb keine Seltenheit. Häufiges Anlegen hilft dabei, die Milchbildung an den Bedarf deines Babys anzupassen. (Universitätsklinikum Düsseldorf: Informationsbroschüre Stillen)
Warum Stillprobleme am Anfang ganz normal sind
Diese Mischung aus körperlichen Herausforderungen und emotionaler Belastung sorgt dafür, dass viele Mamas den Stillstart als besonders anstrengend erleben. Wichtig ist zu wissen: Schwierigkeiten sind normal und sie sagen nichts darüber aus, ob eine Stillbeziehung gelingen kann.
"Ich wollte unbedingt stillen und habe dann versucht, so viel Wissen wie möglich von den Krankenschwestern im Krankenhaus zu bekommen […] Das hat mich so extrem verunsichert, dass ich dann wirklich Panik hatte, irgendwas falsch zu machen."
Eltern-Erfahrungsbericht aus dem Ehrenkind-Team
Stillprobleme haben oft ganz unterschiedliche Ursachen. Deshalb lohnt es sich, nicht vorschnell aufzugeben, sondern zunächst herauszufinden, woran es liegen könnte. Im Folgenden zeigen wir dir die häufigsten Stillprobleme und geben praktische Tipps, was dir und deinem Baby helfen kann.
Schmerzen beim Stillen: Häufige Ursachen und was hilft
In den ersten Tagen nach der Geburt gehören Schmerzen beim Stillen zu den häufigsten Problemen. Vor allem wunde Brustwarzen können jedes Anlegen zur Herausforderung machen. Die gute Nachricht: In vielen Fällen steckt keine ernsthafte Ursache dahinter. Werden die Auslöser früh erkannt, lassen sich die Beschwerden oft schon mit einfachen Maßnahmen lindern.

Wunde Brustwarzen beim Stillen
Warum entstehen wunde oder rissige Brustwarzen?
Rissige Brustwarzen gehören zu den häufigsten Ursachen für Schmerzen beim Stillen. Meist entstehen sie, wenn das Baby die Brust nicht richtig erfasst und hauptsächlich an der Brustwarze saugt. Auch eine sehr pralle Brust, beispielsweise durch den Milcheinschuss, kann dazu führen, dass das Anlegen erschwert und die Brustwarze stärker belastet wird.
Das hilft bei wunden Brustwarzen in der Stillzeit
Manchmal reichen schon kleine Korrekturen beim Anlegen oder ein Wechsel der Stillposition aus, damit die Brustwarze entlastet wird und heilen kann. Achte darauf, dass dein Baby den Mund weit öffnet und möglichst viel vom Warzenhof erfasst. Auch häufigeres Anlegen kann helfen, weil die Brust häufiger entleert und dadurch weniger prall ist und dein Baby sie leichter fassen kann. (Universitätsklinikum Düsseldorf: Informationsbroschüre Stillen)
"Beim 1. Kind lag es sicher daran, dass wir beide einfach noch nicht wussten, was wir da eigentlich machen. Ich habe mir viel zu viel Druck gemacht und sicher am Anfang auch immer mal wieder falsch angelegt. Dadurch hatte ich super wunde Brustwarzen, was echt so schrecklich wehtat, dass ich schon geheult habe, als mein Baby nur wach wurde."
Eltern-Erfahrungsbericht aus dem Ehrenkind-Team

Was die Heilung unterstützt
Rissige oder blutende Brustwarzen können sehr schmerzhaft sein. Viele Mütter fürchten deshalb irgendwann schon die nächste Stillmahlzeit. Wichtig ist jedoch zu wissen, dass sich die Beschwerden in vielen Fällen mit einfachen Maßnahmen bessern lassen und es sich lohnt, zunächst nach der Ursache zu suchen.
Damit sich empfindliche Brustwarzen erholen können, hilft es vielen Müttern:
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nach dem Stillen etwas Muttermilch auf der Brustwarze antrocknen zu lassen
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möglichst viel Luft an die Haut zu lassen
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luftdurchlässige Stilleinlagen aus Baumwolle oder Wolle/Seide zu verwenden
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die Brustwarzen bei Bedarf Lanolin-Salbe oder Heilwolle zu pflegen
(Hebamme Isabelle: Wunde Brustwarzen).
"Bei wunden Brustwarzen haben mir vor allem Lanolin-Wollwachs-Salbe und Stilleinlagen mit Wolle/Seide geholfen."
Eltern-Erfahrungsbericht aus dem Ehrenkind-Team
Wann Silberhütchen oder Stillhütchen helfen können
Manche Mütter empfinden Silberhütchen oder Stillhütchen als hilfreiche Unterstützung. Silberhütchen werden zwischen den Mahlzeiten getragen und können gereizte Brustwarzen vor Reibung schützen. Stillhütchen kommen dagegen direkt beim Stillen zum Einsatz und sollen es erleichtern. Beide sollten nur nach Rücksprache mit einer Hebamme oder Stillberaterin verwendet werden. Wichtig ist zudem, die Ursache der Schmerzen nicht aus den Augen zu verlieren und zu beheben. Stillhütchen sollten deshalb nur so lange wie nötig eingesetzt werden. (Europäische Laktationsberaterinnen Allianz: Stillhütchen; Hebamme Isabelle: Silberhütchen)
Schmerzen beim Anlegen – was ist noch normal?
Leichte Empfindlichkeit kann am Anfang normal sein
Gerade in den ersten Tagen nach der Geburt empfinden viele Mütter das Anlegen zunächst als ungewohnt. Ein kurzer Ansaugschmerz in den ersten Sekunden ist dabei nicht ungewöhnlich. Lassen die Schmerzen jedoch nach etwa 20 bis 30 Sekunden nicht nach, ist das häufig ein Zeichen dafür, dass das Baby nicht optimal angelegt ist. (Deutscher Hebammen Verband: Stillen in den ersten Tagen, 2017)
Wie du dein Baby richtig anlegst und welche Stillpositionen den Stillstart erleichtern können, erfährst du in unserem ausführlichen Ratgeber zum richtigen Stillen.

Anhaltende Schmerzen nicht einfach hinnehmen
Stillen sollte nicht dauerhaft schmerzhaft sein. Halten die Schmerzen beim Stillen an oder treten zusätzlich wunde oder verletzte Brustwarzen auf, steckt häufig eine Ursache dahinter, z. B. eine ungünstige Anlegetechnik. Nimm dein Baby in diesem Fall noch einmal von der Brust und lege es erneut an, damit es ihm gelingt, die Brustwarze richtig zu erfassen. (Hebamme Regine Gresens: Stillen soll nicht schmerzhaft sein. In: Deutsche Hebammen Zeitschrift 1/2017)
Frühzeitig Unterstützung holen
Je früher die Ursache erkannt wird, desto einfacher lassen sich Stillprobleme meist lösen. Wende dich deshalb bei anhaltenden Schmerzen frühzeitig an deine Hebamme oder eine Stillberaterin. Gemeinsam könnt ihr herausfinden, was hinter den Beschwerden steckt und welche Unterstützung für euch sinnvoll ist. (Deutscher Hebammen Verband: Stillen in den ersten Tagen, 2017)

Was hilft bei Milchstau oder Brustentzündung?
Milchstau und Brustentzündung gehören zu den Stillproblemen, die viele Mütter verunsichern. Beide können Schmerzen verursachen und fühlen sich zunächst ähnlich an. Wichtig ist deshalb, die Unterschiede zu kennen und frühzeitig zu reagieren.
Milchstau erkennen und behandeln
Woran erkennst du einen Milchstau?
Ein Milchstau entsteht, wenn ein oder mehrere Milchgänge nicht richtig entleert werden. Typische Anzeichen für einen Milchstau sind eine druckempfindliche oder verhärtete Stelle in der Brust, Schmerzen, Rötungen und ein Wärmegefühl. Häufige Ursachen sind unter anderem eine ungünstige Stillposition, eine pralle Brust oder Stress und Erschöpfung.
Das kannst du bei einem Milchstau tun:
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Stille dein Baby möglichst häufig, damit die Brust gut entleert wird und sich die Milchmenge reguliert.
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Wärme die Brust vor dem Stillen, um den Milchfluss anzuregen.
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Massiere verhärtete Stellen während des Stillens sanft, damit die Milch besser abfließen kann.
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Kühle die Brust nach dem Stillen, um Schwellungen und Schmerzen zu lindern.
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Probiere unterschiedliche Stillpositionen aus, damit alle Bereiche der Brust gleichmäßig entleert werden.
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Gönne dir möglichst viel Ruhe, denn Stress und Erschöpfung können einen Milchstau begünstigen.
(La Leche Liga Deutschland e. V.: Infoblatt Milchstau und Brustentzündung, 2013)
Viele Mütter entwickeln außerdem ihre ganz persönlichen Strategien, um die Beschwerden zu lindern:
„Mir haben bei einem Milchstau vor allem Quarkwickel gutgetan – meine Hebamme hat sie mir empfohlen. Die Kühlung war total angenehm und hat die Schmerzen deutlich gelindert.“
Eltern-Erfahrungsbericht aus dem Ehrenkind-Team
Wann aus einem Milchstau eine Brustentzündung werden kann
Diese Warnzeichen solltest du kennen
Eine Brustentzündung kann sich aus einem Milchstau entwickeln, manchmal entsteht sie aber auch ohne vorherigen Milchstau. Zusätzlich zu den Beschwerden eines Milchstaus treten dabei häufig Fieber, Schüttelfrost, Glieder- oder Kopfschmerzen sowie ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl auf.
Wann du ärztliche Hilfe brauchst
Bei Fieber oder wenn sich deine Beschwerden trotz Ruhe und häufigem Stillen nicht bessern, solltest du deine Hebamme oder deine Frauenärztin bzw. deinen Frauenarzt kontaktieren. In den meisten Fällen kannst du dein Baby trotz Brustentzündung weiterhin stillen – eine Stillpause oder das Abstillen sind nur selten notwendig. (La Leche Liga Deutschland e. V.: Infoblatt Milchstau und Brustentzündung, 2013)

Wann ist bei Stillproblemen professionelle Hilfe sinnvoll?
Nicht jedes Stillproblem lässt sich allein lösen. Halten Schmerzen beim Stillen an, trinkt dein Baby nicht ausreichend oder fühlst du dich unsicher, solltest du dir Unterstützung durch deine Hebamme, eine Stillberaterin oder deine kinderärztliche Praxis holen.
Diese Anlaufstellen können dir helfen
Deine Hebamme ist meist die erste Ansprechpartnerin bei Stillproblemen. Sie kann das Anlegen beobachten, mögliche Ursachen erkennen und dir individuelle Tipps für eure Situation geben. Reicht ihre Unterstützung nicht aus oder sind die Beschwerden komplexer, kann eine zertifizierte Stillberaterin weiterhelfen. Bei Fieber, starken Schmerzen oder dem Verdacht auf eine Brustentzündung solltest du außerdem deine Frauenärztin oder deinen Frauenarzt aufsuchen. Geht es um die Gewichtsentwicklung oder das Trinkverhalten deines Babys, ist neben der Hebamme auch die Kinderärztin oder der Kinderarzt eine wichtige Anlaufstelle.
"Es macht sehr viel aus, wer einen da anleitet. […] Meine eigene Hebamme war da echt ein Goldschatz mit ihrer Erfahrung und ihrer Art, sodass das Stillen dann echt schnell und gut funktioniert hat bei uns. Ich kann mir aber echt vorstellen, wenn man da mit jemand mit wenig Erfahrung und Geduld zu tun hat, dass das auch schiefgehen kann."
Eltern-Erfahrungsbericht aus dem Ehrenkind-Team
Du musst Stillprobleme nicht allein lösen
Stillen ist ein gemeinsamer Lernprozess für Mutter und Baby. Schwierigkeiten am Anfang bedeuten nicht, dass eure Stillbeziehung nicht gelingen kann. Mit der richtigen Unterstützung lassen sich viele Stillprobleme gut lösen, damit das Stillen wieder entspannter wird.
Disclaimer: Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen stellen keinen Ersatz für professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung dar. Ehrenkind schließt jegliche Haftung für Entscheidungen, die auf Basis dieser Information getroffen werden, aus. Die Angaben sollen ausschließlich zur allgemeinen Information dienen und keinen Ersatz für eine persönliche ärztliche Beratung darstellen. Die Urheberrechte aller Inhalte liegen bei der Ehrenkind GmbH. Alle Rechte vorbehalten.